Thomas Sheibels
Kritiken

Spielfreude war nicht zu bremsen – Hein und Sheibels gaben Konzert in der Klosterkirche
Was kommt heraus, wenn ein routinierter und beständiger Kirchenorganist und ein gerne auf Solopfaden wandernder und mit pädagogischen Lehraufträgen umherreisender Ensembletrompeter ein gemeinsames Konzert auf die Beine stellen? Eine Menge an umgebremster und innovativer Spielfreude, wie 200 Besucher in der erstaunlich gut besuchten Klosterkirche nach 90 Minuten feststellen konnten.
Mit einem spannenden musikalischen Duell wurde die Reihe der Frühjahrskonzerte fortgesetzt. Thomas Sheibels an der Trompete und Ulrich Hein an der Orgel boten eine anspruchsvolle Mischung von klassischer und moderner Sakral- und Unterhaltungsmusik. Majestätisch würdevoll ging es los mit Georg Friedrich Händels "Ankunft der Königin von Saba" aus dessen Oper "Salome", bei dem man sich den Einmarsch eines gekrönten Hauptes in das imposante Kirchenschiff buchstäblich vorstellen konnte.
Überhaupt war der gedanklichen Inspiration an diesem Nachmittag Tür und Tor geöffnet, agierten die Musiker doch größtenteils für die Besucher unsichtbar von der kirchlichen Empore. Von dieser schmetterten und orgelten sie Antonio Vivaldis "Concerto B-Dur" mit Schwung und Schmackes durch seine drei Sätze, ehe Ulrich Hein mit Johann Sebastian Bachs "Fuge c-Moll" seine beachtlichen Fähigkeiten am Manual alleine unter Beweis stellen durfte. Tomaso Albinonis "Adagio-Bearbeitung" brachte dann die erste faustdicke überraschung. Beinahe so rhythmisch wie ein Pop-Song und melodisch ungezwängt fließend wie eine Filmmusik aus den 70ern bricht das Werk mit den bisherigen strengen Hörgewohnheiten des Konzerts und versetzt einen beinahe in die "Timm Thaler"-Romantik eines unbeschwerten Lebensgefühls.
Jiri Laburdas Canto Pasquale "Christ ist erstanden" mit seinem hellen, hohen Trompetenfinale und Johannes Brahms "Praeludium und Fuge in g-Moll für Orgel" mit seinen waghalsigen Läufen brachten noch einmal Raum für musikalische Demonstration der Interpreten, ehe man die Empore verließ, um drei Choräle von Bach und Buxtehude an kleiner Orgel zu präsentieren. Dass dabei eine Taste klemmte und zu deren Abbruch führte, passiert auch nur einmal im Leben und wurde mit Humor genommen. Vincent Persichettis "Parable für Trompete Solo" entwickelte sich danach zum absoluten Höhepunkt des Konzerts.
Richtig schön bratzig und schräg brachte der gebürtige Amerikaner Sheibels die verschrobene und verschlüsselte Ausnahmekomposition seines Landsmannes herüber, mit seinen drei wiederkehrenden Motiven und einem atemberaubend langem Nachhall. Mit Nikolaus Bruhns’ "Praeludium und Fuge in e-Moll" und Albinonis "Concerto D-Dur" fanden sich die beiden musikalischen Eulenspiegel wieder zusammen, froh, eine seltene Kombination mit viel Eigenständigkeit und Mut eingegangen zu sein. Und auch das Publikum war zufrieden, klatschte ergiebig für eine notwendige Zugabe.

Holsteinischer Courier, 27. März 2002

Die Trompete aus Amerika – Matinee mit Thomas Sheibels

Was die lockere Verpackung von (Gesprächs-)Konzerten angeht, sind uns die Amerikaner immer einen guten Schritt voraus. Das gilt auch für Thomas Sheibels, der zwar schon nach seinem Studium nach Deutschland kam und seit 1984 als Solo-Trompeter der Kieler Philharmoniker für Spitzen-Töne sorgt, der aber von seinem Detroiter Lausbuben-Charme kaum etwas verloren zu haben scheint. In der Matinee, die der Verein der Musikfreunde am Sonntag im Schauspielhaus veranstaltete, kamen jedenfalls drei Dinge unbeschwert ins Gleichgewicht: Sheibels flexibles Spiel, der Blechbläser-typische Spaß an "höherem Blödsinn" – wie Edward Diementes "Bravo! Zugabe für die Trompete und sechs" (ganz "zufällig" ausgesuchte) "virtuose Klatscher" – und nicht zuletzt die lohnende Begegnung mit "amerikanischer Musik für Trompete und Klavier".
Sheibels variierte seinen Ton nach Bedarf, gab ihn ernst und edel in der von wie von Ferne mit Nordstaaten-Fanfaren durchzogenen, neusachlichen "Sonata" von Kent Kennan, anschmiegsam weich und versonnen im Gleichklang mit Dorothee Todtenhaupts Englischorn in Aaron Coplands "Quiet City" oder auch strählern-virtuos in der "Lincoln-Center-Fanfare" von Strawinsky (im eindrucksvollen polyrhythmischen Duett mit Thilo Schramm).

Kieler Nachrichten, 5. September 2000