Roman Reichel
Auszug aus dem Repertoire

Orgel

Europäische Musik der Renaissance und des Barock (Attaignant, Frescobaldi, Gabrieli, Couperin, de Grigny, Purcell, Stanley u.a.); sämtliche Werke von J. S. Bach und Dietrich Buxtehude; Orgelkonzerte und Fugen von G. F. Händel; Sonaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Josef Rheinberger, Camillo Schumann; Werke von Max Reger, Franz Liszt, Robert Schumann, César Franck; Orgelsinfonien von Charles-Marie Widor und Louis Vierne; Werke von Petr Eben (z.B. die Zyklen "Faust" und "Hiob", sowie die "Sonntagsmusik").

Cembalo

Pièces de clavecin von Louis und François Couperin, Jean-Philippe Rameau, Werke von J. S. Bach ("englische" und "französische" Suiten, Goldbergvariationen, Wohltemperiertes Clavier u.v.m.), Sonaten von Domenico Scarlatti und Antonio Soler (Fandango) und portugiesischer Meister (z.B. Carlos Seixas).

Clavichord

Variationswerke und Fantasien von Byrd, Cabezon, Sweelinck, Mozart und Haydn. Werke der Familie Bach, u.a. die "18 Probestücke" und Sonaten von C. Ph. E. Bach und Werke von W. Fr. Bach.

Soloprogramme

Gemischte Programme von der Renaissance bis zur Moderne, Themenbezogene Programme (z.B. "Stylus phantasticus", "J. S. Bach & Söhne", Goethes "Faust" in der Vertonung Petr Ebens mit Textrezitation und Einführung), Solowerke mit Orchester (z.B. Orgelkonzerte von G. F. Händel, F. Poulenc, P. Hindemith).

Kritiken

Betrachtungen zum Ende der Zeit – Organist Roman Reichel und ein theologisches Team gestalteten mehr als eine Andacht

Probsteierhagens Organist Roman Reichel sorgte an der alten, schönen Dorforgel für den angemessenen Wechsel zwischen Gedanken und Gefühl, Text und musikalischer Auslegung an Texten anhand von Kompositionen Sebastian Bachs. Neben größeren Werken "in a-Moll" zu Beginn und am Schluss kamen ihm dabei besonders acht verschiedenen Sammlungen entnommene Choralbearbeitungen entgegen, die alle mehr oder weniger um das Sterben und dem Übergang in die "Ewigkeit" kreisten.

Kieler Nachrichten, 26. November 1996

Majestätische Klänge zum Reformationstag

In der St.-Johanniskirche brachte Roman Reichel die Orgelmesse von Johann Sebastian Bach. Für den Gastorganisten bedeutet ein anderes Instrument immer eine Anforderung, ein Einstellen auf die vorhandenen Möglichkeiten, die von Roman Reichel gemeistert wurden. Darüber hinaus stellte aber auch das Werk an der Organisten besondere Ansprüche. So erlebten die Hörer hier einen großen Orgelabend, der vertraut machte mit dem Schaffen Bachs und dem Können eines Organisten.

Husumer Tageblatt, 31. Oktober 1996

Wie ein Schwarm Lerchen

In dem Probsteierhagener Organisten Roman Reichel hat dieses Cembalo seinen Meister gefunden. Mit Werken von François Couperin und Johann Sebastian Bach begeisterte er das Publikum.
Nahezu atemberaubend die Tremolos, die Couperin in seine Rokoko-Sarabanden, -Gavotten oder -Menuette eingebaut hat. Vor allem in dem sehr schnellen Stück "Les Matelotes Provençales" trillerte das Cembalo wie ein ganzer Schwarm Lerchen. Schön auch die Chaconne "La Favorite", die Roman Reichel einfühlsam und mit gezielt gesetzten Akzenten spielte. (...)
Insgesamt ein anspruchsvoller Abend, der die volle Aufmerksamkeit des Publikums erforderte.

Ost-Holsteinisches Tageblatt, 10. April 1996

In tiefer Versunkenheit

Der Organist Roman Reichel hat ein ausgeprägtes Gespür dafür, wie der Musik des Barock beizukommen ist: mit elastischem, tänzerischem Duktus, einer ausgesprochenen Lust am Verspielten und an der genüßlichen Ausformulierung von Verzierungen und Trillern. Seine ungehemmte Spielfreude schien denn auch durch bei seinem Konzert am Sonntag in der Wallfahrtskirche Oggersheim.
Der Organist übertrug eine gestalterische Ruhe und Übersicht auf das Concerto a-moll von Vivaldi (in der Bearbeitung von Guy Bovet) und entdeckte dabei wundersames Ausdrucksvermögen innerhalb dieser unproblematischen Musik.
Dies gelang vorzüglich dadurch, dass sich Reichel keinem motorischen Geschwindigkeitsrausch hingab, sondern jeder einzelnen Stimme und Phrase große Detailgenauigkeit, Plastizität und je eigene Individualität beimaß. Das war alles andere als belanglos abgespultes Glitzerwerk, dafür aber ein Kompendium an Farbigkeit, Leichtigkeit und Transparenz.
Die Lockerheit der Non-Legato-Artikulation und eine expressiv gestaltete Agogik war es, was C.Ph.E. Bachs Triosonate h-moll (in Reichels Transkription) ausgesprochene Beredsamkeit verlieh.
Und in der Wiedergabe von John Stanleys Voluntary op. 5/1 schimmerte immer eine gute Portion Humor zwischen den locker und doch martialisch einherschreitenden punktierten Rhythmen. Angefangen von dem wuchtigen Pedalsolo bis hin zu dem vollgriffigen Jubel ließ der Organist die herausschießende Farbigkeit der Harmonik in Flor Peeters’ "Concert Piece" op. 52a ebenso wirkungsvoll zu ihrem Recht kommen wie die vitale Rhythmik.
Tiefe Versunkenheit in die sehr große Ruhe der "Vier Stücke" von Jehan Alain ließ Reichel eindringen, eine Ruhe, die sich durch die formale und harmonische Kreisbewegung ebenso entfaltete wie durch das Gleitende der Ausführung. Aus dieser meditativen Kraft heraus startete der Organist zu César Francks Choral a-moll, beeindruckte dabei durch eine vollkommene Ausgeglichenheit innerer und äußerer Kräfte.
Alles ergab sich sehr organisch, von vorbildlicher Ruhe erfasst, die bis in die kühn emporgereckten Fortissimo-Klänge hineinreichte. Bei alldem fand das Werk durch Roman Reichel weniger die Darstellung eines wuchtigen Klangkolosses als vielmehr die eines farblich-differenzierten Kammerspiels.

Die Rheinpfalz, 14. Oktober 1993

Fenster auf die Seelanlandschaften von Goethes Figuren – Roman Reichel bietet beim zweiten Konzert der 6. Internationalen Orgeltage Klangmystik

Beim zweiten Konzert der 6. Internationalen Orgeltage in der evangelischen Stadtkirche erklang Ebens Bearbeitung seines "Fausts" für Orgel solo. Das Klangexperiment wagte der Organist Roman Reichel – es gelang.

Markgräfler Tagblatt, 14. Mai 1993

Goethes "Faust" in Orgelmusik umgesetzt – Zweites Konzert der Orgeltage mit Roman Reichels außergewöhnlicher Interpretation

Goethes "Faust" einmal nicht auf der Theaterbühne, sondern auf der Orgel gespielt: das war schon ein außergewöhnliches, experimentelles Hörerlebnis. (...)
In seiner Interpretation der "Faust"-Suite schöpfte Roman Reichel alle Ausdruckmöglichkeiten und das gesamte Klangspektrum der Schuke-Orgel aus. Der Organist zeigte sich bestens vertraut mit den modernen "Faust"-Klangbildern von Petr Eben, der sicher einer der bedeutendsten Orgelkomponisten der Gegenwart ist. (...)
Einleitende Zitate zu den einzelnen "Faust"-Szenen sprachen Christel Badura-Dreher und der neue Bezirkskantor Martin Winkler: So ergänzten sich Wort und Klang sehr ausdrucksvoll. (...)
Am meisten herausgefordert wird der Organist bei der "Walpurgisnacht", die er sehr expressiv und mit Sinn für spannende Klangdramaturgie aufführt.

Badische Zeitung, 14. Mai 1993

Gretchens Leid und der Leierkasten – Roman Reichel spielt in St. Josef moderne Orgelmusik

In St. Josef virtuos gespielten Kulturtage-Orgelkonzert hörte man von Roman Reichel die einstündige Faust-Musik, die der Prager Petr Eben zuerst 1976 als Bühnenmusik fürs Wiener Burgtheater geschrieben hat. (...)
Ein Vergnügen bereiteten die satirischen Klang-Anspielungen im Sinne Kagels: Das Bettler-Lied in Leierkasten-Manier, die als Drehorgel-Rundtanz angelegte Szene in Auerbachs Keller mit ihrem hinreißenden Wirbel und der ins Herz stoßenden Schluss-Kaskade und hier als Gipfel die schräge Walpurgis-Musik mit einem Gassenhauer-Quodlibet. (...)
Roman Reichel zeigte sich als technisch versierter, um das Erzielen vielfältigster Klanfarben nicht verlegener Organist.

Die Rheinpfalz, 11. Mai 1993

Klosterkirche Enkenbach: Konzert mit dem "Motettenchor Speyer"

Roman Reichel eröffnete das Konzert mit dem Orgelstück "Warum betrübst du dich, mein Herz?" aus Tabulatura Nova des frühbarocken Meisters Samuel Scheidt. Mit sicherer Technik, geschmackvollen Verzierungen und nicht zuletzt mit einer guten Registrierung stellte er den Cantus Firmus dieses ruhigen poliphonen Stückes einnehmend dar und baute eine atmosphäre entspannter Erwartung auf. (...)
Der Sprung zu Hugo Distlers "Totentanz", einem Werk der Neuzeit, wurde nicht abrupt während der verschiedenen Chorwerke vollzogen, sondern der Organist spielte als Überleitung die Partita für Orgel "Jesus Christus unser Heiland" von Distler, dessen Fugato-Teil durch scharfe Artikulation und sauberes Spiel die musikalische Entwicklung für den Zuhörer leicht nachvollziehbar machte.

Kaiserslauterer Rundschau, 7. November 1991