CD-Tipps in Kürze
Barocke Höhenflüge mit dem Ensemble ClarinoBelcanto

Es ist ein ungewöhnlicher Seitensprung, zu dem der Probsteierhagener Kirchenmusiker Roman Reichel die am Opernhaus engagierte Sopranistin Heike Wittlieb sowie die zwei "Kieler Philharmoniker" Thomas Sheibels (Trompete) und Frauke Rottler-Viain (Cello) seit einigen Jahren verführt: Als "Ensemble ClarinoBelcanto" widmet sich das Quartett vor allem barocker Originalliteratur für Sopran, Trompete und Basso Continuo, was sich auf der nun erschienenen CD Con voce festiva in gelungener Form nachhören lässt. Dass man es auf wirklichen Originalklang dabei erst gar nicht angelegt hat, sorgt in diesem Fall sogar für ein Plus an Überzeugungskraft. (Cavalli Records CCD 319)

Kieler Nachrichten, 15. Juli 2003

Ein kleines Mekka der Alten Musik

Es macht viel Spaß mitanzuhören, wie die Sopranistin Heike Wittlieb und der Trompeter Thomas Sheibels hier trefflich um die hohen Töne streiten, in Händels "Let the Bright Seraphim" glasklare Zwiesprache führen. Ganz wunderbar auch beispielsweise die Balance, die die beiden Cembalisten Booth und Reichel hier mit dem Kieler Barockorchester in Johann Sebastian Bachs "Concerto f-Moll BWV 1060" erzielen können. So bleibt auch dieses Mal zu konstatieren, dass sich am Wochenende einem kleinen Mekka der Alten Musik nähert wer nur die Probsteierhagener Ortsgrenze passiert.

Kieler Nachrichten, 30. April 2003

Cantoclarino: Klangvollen Namen strahlend eingelöst

Die Aussicht auf strahlend barocke Klänge, eingebettet in den der selben Epoche entstammenden Altarraum der Katharinenkirche von Probsteierhagen, schien vielen Musikfreunden den verregneten Ostermontag ein wenig zu erhellen. So war denn die Kirche schon eine halbe Stunde vor Beginn nahezu gefüllt. Cantoclarino seinerseits hatte sich nicht nur einen klangvollen musikalischen Namen gewählt, es vermochte ihn auch mehr als angemessen auszufüllen. Die Kombination von Canto, das heißt genauer gesagt Sopranstimme mit der hohen Clarinlage der Trompete erlebte in Kompositionen der Bachzeit ihre Blüte, schien doch eine derart vereinte Strahlkraft Lobpreisungen aller Arten am gemäßesten zu sein. Die hohe Kunst des Clarinblasens ist zwar für den Trompeter in Zeiten nach der Erfindung der Ventile leichter zu bewältigen als für seinen Kollegen vor 250 Jahren, der virtuose Anspruch aber bleibt unvermindert. Von den Komponisten damals wurde freilich auch die menschliche Stimme als hoch artifizielles Instrument betrachtet.

Für Heike Wittlieb (Sopran) und Thomas Sheibels (Trompete) bedeutete das Programm also eine ähnliche Herausforderung, wie für Pianisten und Geiger ein Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts. Roman Reichel war den beiden ein verlässlicher Begleiter. – Insgesamt verwöhnte das Ensemble jedoch zwei Stunden mit reinem Hörgenuss. Nahezu ideal war das Programm des Abends auf Heike Wittliebs stimmliche Qualitäten abgestimmt. So erfüllte sie die beiden Arien von Georg Friedrich Händel zu Beginn mit vollklingendem, weichen Timbre. Bei Allessandro Scarlatti mit geradezu spielerischer Leichtigkeit halsbrecherische Figurationen in forschesten Tempi. Alle Facetten ihrer so natürlich hellen Sopranstimme konnte Heike Wittlieb dann bei Johann Sebastian Bachs Kantate Jauchzet Gott in allen Landen BWV 51 ausspielen. Thomas Sheibels war nicht nur adäquater Mitstreiter, sondern führte in Johann Joachim Quantz’ Concerto in Es für Corno da caccia und Orgel auch eine selten zu hörende Zwittergestalt (halb Horn halb Trompete) vor. Cantoclarino darf sich sicher sein, wenn, wie der Text der stürmisch geforderten Zugabe verhieß, aufs Neue in dieser Besetzung "die Trompete erklingt", wird man gerne wiederkommen.

Kieler Nachrichten, 26. April 2000

Cantoclarino: Gemeinsam Geschichten erzählen

Die Begegnung ist ein Gipfeltreffen und spielt sich dementsprechend in der Höhe ab: Leicht und schwerelos schwingt sich Heike Wittliebs heller Sopran weit nach oben empor, lädt dort Thomas Sheibels Barocktrompete zum strahlenden Duett ein, dem nur Roman Reichel an der Truhenorgel noch ein gewisses Maß an Bodenhaftung bewahren kann. Mit soviel Verve geprobt wird Alessandro Scarlattis Arie Con voce festiva. Wenig später ist das Ensemble Cantoclarino, das sich in der St. Katharinenkirche zu Probsteierhagen auf seinen ersten Auftritt vorbereitet, wieder gelandet und macht sich an die Feinarbeit. Fehlte hier nicht eine Verzierung, sollte man dort nicht doch ein Cembalo verwenden? Die Details werden mit Leidenschaft geklärt, sodass man sich die Frage nach den Gründungsimpulsen fast verkneifen kann. Roman Reichel, hauptamtlicher Kirchenmusiker in Probsteierhagen, beantwortet sie trotzdem gern. Durch die Bekanntschaft mit Thomas Sheibels, dem Solotrompeter der Kieler Philharmoniker, kam auch der Kontakt zu Heike Wittlieb zu Stande, die seit 1996 an den Kieler Bühnen singt. Alle drei lieben die besondere Kombination von Transparenz und Strahlkraft, die die Besetzung mit sich bringt: "Dabei ist es uns wichtig, als wirkliches Trio zu agieren", führt Wittlieb aus. "Wir wollen unsere Geschichten zusammen erzählen." Eben deshalb ist vom Habitus der Opernsängerin angenehm wenig zu spüren, als Wittlieb kurz darauf Händels Eternal Source of Light Divine aus der Geburtstagsode für Queen Anne anstimmt. "Das ist das schönste uns bekannte Geburtstagsständchen", lacht Reichel von der Truhenorgel herüber. Zum Debütauftritt am Ostermontag wird es erneut durch die Katharinenkirche ertönen.

Kieler Nachrichten, 20. April 2000